Filter Bubble und SEO

Der heutige Beitrag leitet eine Reihe ein, die sich dem Problem der zunehmenden Filterung der Online-Welt beschäftigt. Insbesondere das Schlagwort der „Filter Bubble“ hat dieses Phänomen im vergangenen Jahr ziemlich bekannt gemacht.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir hier bereits einige Beiträge veröffentlicht, die sich mit der Personalisierung beziehungsweise Individualisierung von Suchergebnissen oder aber mit den Zusammenhängen von Social Media und der Suchmaschinenoptimierung beschäftigt haben, insbesondere bei Facebook oder Google Plus. Dass das Web sozialer – im Sinne von geselliger – geworden sein soll, ist seit langem bekannt. Ebenfalls bekannt ist der schon genannte Trend hin zur Personalisierung, der auch, zumindest teilweise, mit der Ausbreitung von Social Media zusammenhängt. Die Personalisierung, vor allem bei Google und anderen Suchmaschinen, hängt aber noch mit einem weiteren Phänomen zusammen: der Kategorisierung, für die die Universal Search sicherlich ein gutes Beispiel ist.

Diese Entwicklungen im Bereich der Suchmaschinen sind die Folge der immer stärker anwachsenden Flut von Informationen und Inhalten im Web. Die Antwort von Google und Co lautet: filtern und kategorisieren. Personalisierungen und die Unterteilung der Websuche in verschiedene Kategorien (Bilder, Videos, etc), sind letztlich auch nichts anderes als Filter. Und in diesem Sinne gefiltert wird so einiges, allerdings merken das viele Internetuser nicht einmal, weil die Transparenz fehlt. Das ist auch einer der Hauptpunkte, die Eli Pariser an der „Filter Bubble“ kritisiert.

Shopping-Angebote wie Amazon sind sicherlich die Vorreiter darin, die Interessen der User herauszufinden und ihnen dazu passende Angebote anzubieten. Aber diese Form der „Informationslenkung“ wird in sozialen Netzwerken und auch in Suchmaschinen immer stärker betrieben.  Dabei klingt es eigentlich noch recht komfortabel sich vorzustellen, dass nur noch die Inhalte angezeigt werden, die man wirklich sehen will. So einfach ist das aber leider nicht. Abgesehen davon, dass die Algorithmen nicht alles richtig erkennen, birgt diese Vorgehensweise Gefahren und Probleme. Das „Über-den-Tellerrand-schauen“ wird für den normalen eher passiven User immer schwieriger, wenn er sich in einem Internet bewegt, das ihm nur Dinge bietet, für die er in einem weiteren Sinn irgendwann Interesse gezeigt hat oder für die aufgrund bestimmter Merkmale Interesse vermutet wird. Das erscheint insbesondere dann bedenklich, wenn auch Nachrichten, politische und gesellschaftliche Informationen und Meinungen von diesen Filtern sortiert werden. In der wohl größten Horrorvision bewegen sich die User online in einer Wohlfühl- und Komfortwelt, die gegen alle neuen Impulse von außen abgeschirmt ist. In diesem Fall würden den Usern Scheuklappen aufgesetzt. Das ist natürlich auch der Traum eines jeden totalitären Regimes.

In dieser Form wird es dazu sicherlich nicht kommen, dennoch ergeben sich neben einigen Vorteilen personalisierter Angebote und Filter auch einige Problemfelder. Diese sind oftmals eher grundsätzlicher und theoretischer Natur, können aber gerade in Bereichen wie der Suchmaschinenoptimierung auch praktische Folgen haben. In den folgenden Beiträgen dieser Reihe werde ich nicht nur auf die Filtermethoden eingehen, sondern auch auf die (möglichen) Auswirkungen, ob positiv oder negativ. Dabei werde ich verschiedene Perspektiven in Betracht ziehen. Neben der Perspektive der einzelnen User sollen auch die Folgen beispielsweise auf die Suchmaschinenoptimierung nicht zu kurz kommen.

Für einen Einstieg in das Thema, aber auch generell kann ich den Vortrag von Eli Pariser zur „Filter Bubble“ sehr empfehlen, den er bereits 2010 beim Personal Democracy Forum gehalten hat:

David Linden 178 posts

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2 Kommentare

  • [...] ist es schon über einen Monat her, dass ich eine Einleitung zu einer Serie zur sogenannten Filter Bubble schrieb. Dass nun erst der erste Teil der Serie auch wirklich kommt ist dem geschuldet, dass wir im [...]

  • [...] Werbeplakate, -spots, -aufkleber, -banner und -PopUps sieht man hier jeden Tag. Das Meiste davon filtert das Gehirn einfach weg, ohne dass das Bewusstsein sich überhaupt damit abgeben muss. Also versucht man durch [...]

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