Zahlungssysteme als Konversionshürde

Eigentlich wollten Sie sich ja nur mal umschauen. Erstmal nur informieren, die Preise vergleichen, aber noch nichts kaufen. Doch da finden Sie genau das Buch, das Sie schon lange gesucht haben oder die passenden Stiefel. Vielleicht auch den neuen Rechner oder den gewünschten Last-Minute-Urlaub. Also ab damit in den Warenkorb. Jetzt nur noch schnell bestellen. Und da stoßen Sie auf das Problem: die Seite akzeptiert zum Beispiel nur Paypal, sie können nicht auf Rechnung kaufen oder nur gegen Vorkasse. Oder das Formular ist so unübersichtlich, dass Sie auf einmal kein gutes Gefühl mehr haben und jegliches Vertrauen in die Webseite verlieren. Was auch immer es war, Sie brechen den Kaufvorgang ab.

Etwa 90 Prozent aller User, die einen Online-Shop besuchen, verlassen die Seite wieder ohne etwas zu kaufen. Das scheitert bestimmt nicht nur an den Zahlungssystemen. Es kommt Besuch, das Essen brennt an, der Chef möchte Sie sprechen oder ein Mitarbeiter … die Gründe, warum ein User den Kaufvorgang unterbricht, müssen mit der Seite in gar keinem direkten Zusammenhang stehen.

Dennoch ist es so, dass viele Kunden den Kaufvorgang abbrechen, wenn sie nicht auf die Art und Weise zahlen können, wie sie das am liebsten tun.

Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Vertrauensfrage und variiert je nach Altersstufe. Viele ältere Menschen vertrauen nicht auf eine Kreditkarte und wissen mit Paypal oder Click&Buy erst recht nichts anzufangen: „Was soll ich anlegen? Einen Account? Nein, das mache ich nicht. Davon habe ich ja noch nie gehört.“ Für die jüngere Generation hingegen ist es genau umgekehrt. „Wie nur per Kreditkarte oder Vorkasse? Auf keinen Fall. Nachher ist das Geld weg und die Ware kommt nie an.“ Dazwischen liegt die breite Masse der 30- bis 60jährigen. Sie wiederum schwören fast alle auf die Kreditkarte, viele haben aber auch einen Account bei Click&Buy oder bei Paypal.

Da bleibt den Betreibern von Webshops nur übrig, möglichst viele verschiedene Zahlungsarten zur Verfügung zu stellen. Das wiederum haben manche nicht gut gelöst und so verlieren sie durch unübersichtliche Zahlungsvorgänge zum entscheidenden Zeitpunkt das Vertrauen der Kunden.

Aber auch die Seitenbetreiber müssen ihren Usern viel Vertrauen entgegen bringen.

Die Anonymität des Internets ist nicht immer nur positiv zu sehen. Es gibt viele Betrüger, die davon profitieren wollen. So werden Waren unter falschem Namen gekauft, mit gefälschten oder gestohlenen Kreditkarten bezahlt oder auf anderen Wegen versucht, unrechtmäßig in den Besitz der Ware zu gelangen. Dagegen versuchen sich die Shopbetreiber natürlich abzusichern, zum Beispiel mit Bonitätsauskünften, ausgewählten Zahlungsmethoden und Zahlungssystemen.

Viele Zahlungssysteme sind auch nicht umsonst. Wenn eine Transaktion beispielsweise über Paypal abgewickelt wird, dann verlangt Paypal dafür Gebühren vom Seitenbeteiber. Auch das ist ein Grund, warum auf vielen Seiten nur per Rechnung oder Kreditkarte gezahlt werden kann. Die althergebrachten Zahlungssysteme wie Kreditkarte, Überweisung oder Rechnung kosten die Shops häufig nichts oder deutlich weniger als die Gebühren für elektronischen Zahlungsverkehr.

Mobile Payment

Völlig neue Wege öffnen sich derzeit im Bereich des mobile Payment. Bis man eine Jacke oder ein Essen mit dem Handy beziehungsweise Smartphone und Tablet bezahlen kann, wird es mit Sicherheit noch etwas dauern. Dafür sind die Rechnungen der Telekommunikationsunternehmen nicht wirklich geeignet.

Für das mobile Payment gibt es selbst nach mehr als zehn Jahren noch keinen einheitlichen Standard. Große Konzerne wie zum Beispiel Vodafone und die Telekom arbeiten dafür noch an einer brauchbaren Lösung. Andererseits befürchten Kritiker und Datenschützer, dass dadurch selbst kleinste Transaktionen nachvollziehbar werden, also ein weiterer Schritt in Richtung gläserner Bürger gemacht wird. Auch der erzieherische Effekt, den der Umgang mit Bargeld auf Kinder und Jugendliche hat, ginge durch das virtuelle Zahlen mit dem mobile Payment vollständig verloren. Dieses Wirrwarr öffnet Start-Ups mit innovativen Ideen den Markt.

Davon gänzlich unbeeindruckt gibt sich die Spiele-Szene. Hier ist mobile Payment bereits eine breit akzeptierte Möglichkeit, wie Spieler ihre Rechnungen begleichen können. Es sind also mal wieder die Gamer, die die künftige Entwicklung nachhaltig beeinflussen.

Marko Engelberth 94 posts

Mitbegründer von Seosweet. Softwaretester, Lektor sowie Online-Redakteur. Und hin und wieder Webentwickler.

2 Kommentare

  • [...] erkennen, bei welchem Online-Shop ich gewesen bin und blitzschnell erfahren, was ich gekauft habe, kaufen wollte oder mir angesehen habe. Auf der Basis dieser Information stellt mir der Adserver dann die Werbung [...]

  • [...] Ärgernis sein, wenn wir uns in Online Shops bewegen. Marko hat schon einmal einen Beitrag über Zahlungssysteme als Konversionshürde geschrieben. Zahlungsmethoden sind ein sensibles Thema. Die User bevorzugen unterschiedliche [...]

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