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Google liest das Seosweet Blog und stellt den Reader ein

Da heute Sonntag ist und diesen Beitrag sowieso niemand lesen wird, weil alle bei der Campixx sind, aber vor allem weil Sonntag ist, schreibe ich heute mal einen etwas lockereren Artikel. Diese Lockerheit ist auch angebracht angesichts des Themas. Wer sich in der letzten Woche ein bisschen im Internet aufgehalten hat, wird mitbekommen haben, dass Google einige Dienste einstellt. Darunter auch den überaus populären Google Reader. Der Reader diente (und tut es noch) dem Lesen und Verwalten von RSS Feeds und war (ist…) ein ideales Instrument zum Verfolgen von z.B. Blogs und anderen Informationsquellen.

Warum wird der Reader eingestellt?

Da Google seiner allseits beliebten Informationspolitik treu bleibt, weiß man darüber im Grunde kaum etwas. Die Ankündigung, dass der Reader und einige andere Dienste eingestellt werden – hier nachzulesen – fiel dann auch sehr knapp aus. Begründet wird der Schritt mit sinkenden Nutzerzahlen. Das war’s dann auch schon mit Begründungen von Googles Seite.

Wenn man nun aber verfolgt hat, wie stark der Sturm der Entrüstung in Blogs, auf Twitter, Facebook und Google+ war, dann mag man das mit den sinkenden Nutzernzahlen kaum glauben. Zumindest fragt man sich dann doch, wieso Google bei einer so treuen Anhängerschaft diesen populären Dienst schließt.

Wahrscheinlich liegt ein Teil der Antwort in der Nutzerstruktur, ein anderer Teil in der Unternehmenskultur und -Struktur von Google selbst, ein dritter in den Sozialen Netzwerken und dem durch sie veränderten Nutzerverhalten und viertens im RSS selbst.

Die Nutzerstruktur

Die Nutzer des Google Readers, zumindest die regelmäßigen, dürften sich zu einem Großteil in einem ähnlichen Berufsfeld bewegen. Im Grunde alle, die auf Informationen, Nachrichten, News, Trends etc. angewiesen sind – also Journalisten, Blogger, Online-Marketing-Leute – eine einigermaßen überschaubare Gruppe an Menschen. Ich habe bei Marcel Weiß  den Begriff „Informationsarbeiter“ gelesen – den betreffenden Blogartikel verlinke ich gleich noch – , den ich in diesem Zusammenhang für großartig halte. Für diese Informationsarbeiter ist so ein RSS Feedreader wie der von Google ein extrem wichtiges Hilfsmittel, weil sie es mit einem riesigen Daten- und Informationsaufkommen zu tun haben, das man nicht einfach so im Auge behalten oder gar bewältigen kann. Den allermeisten anderen Menschen und Webusern (ich habe das Wort nur gelassen, weil es sich lustig anhört wenn man es falsch liest, so wie „beinhalten“) geht das aber nicht so. Die meisten können ihre Informationen auch anders erhalten, ordnen, teilen und verwalten. Per Lesezeichen, per Browser Chronik, per Lesezeichen über soziale Netzwerke, manuell und per Gedächtnis und so weiter.  Der Google Reader ist also kein Massendienst und könnte auch nie wirklich einer werden. Dass das jetzt online so ein großes Thema ist, liegt einfach nur an der starken Sichtbarkeit der Informationsarbeiter.

Das Unternehmen Google

Wie erwähnt ist ein zweiter Teil der Antwort die Firma Google selbst. Hier kommt nun der Punkt, an dem ich auf Marcels Artikel verweisen möchte, denn er legt insbesondere diesen Teil der Antwort sehr gut und detailliert dar. Entgegen anderslautender regelmäßiger Selbstbeweihräucherungen hat die Firma Google vor allem ein Ziel: Geld verdienen und wachsen (denn sie sind dazu ja auch noch eine Aktiengesellschaft). Das Geschäftssystem beruht aber auf Werbung und um mit Werbung Umsätze zu machen, die für eine so große Firma wirklich relevant sind, bedarf es eines Massenpublikums. Wie gesagt erreicht das der Reader nicht und Wachstum ist ebenfalls eher unwahrscheinlich in diesem Bereich. Für Google lohnt es sich einfach nicht ein Produkt zu haben und weiterzuentwickeln, von dem sie nichts haben, weil Werbung dort praktisch nicht schaltbar ist. Wirklich weiterentwickelt wurde der Reader ja ohnehin schon länger nicht mehr und Google versuchte die User auf Google+ zu ziehen, in dem es die Teilen-Funktion 2011 einstellte.

Soziale Netzwerke

Die sozialen Netzwerke habe ich ja jetzt auch schon ein paar mal erwähnt. Gemeint sind vor allem Facebook, Twitter und Google+. Die Informationsgewinnung und -verwaltung verlagert sich teilweise in diese sozialen Netzwerke. Das ist mit Sicherheit ein Grund für den Nutzerrückgang beim Google Reader. Es ist aber auch klar, dass sie eigentlich nicht gerade gut dazu geeignet sind, zumindest dann nicht, wenn man das ein bisschen professioneller betreiben möchte. Wie auch schon erwähnt, betreibt Google ja momentan die Politik, alles auf Google+ zu ziehen was geht. Jüngstes Beispiel ist Picasa. Mit den sozialen Funktionen des Readers ist Ähnliches passiert. Das Nutzerpotential für professionelle Programme wie den Reader sinkt durch die sozialen Netzwerke also weiter, sodass am Ende wirklich nur noch die „Informationsarbeiter“ übrigbleiben.

RSS

Als vierter Begründungsstrang ist RSS selbst zu sehen. Das ist zwar an sich eine tolle Sache, für die Webseitenbetreiber hat es allerdings auch Nachteile. Es ist anonym und frei, es ist nicht ersichtlich wie viele Abonenten ein Feed hat, Werbung auf den Websites kann unter Umständen unsichtbar bleiben etc. Deswegen verzichten immer mehr, vor allem große Websites, auf die Einbindung von RSS. Und für die Betreiber der RSS Feeds lässt sich ebenfalls sagen, dass die Möglichkeiten Werbung einzubinden eher gering sind. Das ist aber zwingend notwendig, wenn ein Dienst kostenlos angeboten werden soll.

Fazit

Google stellt den Reader ein, weil er aufgrund seiner Spezialisierung ein quantitativ beschränktes Nutzerpotential hat und weil es sich lieber auf sein soziales Netzwerk Google+ konzentriert, von dem niemand so genau weiß, was es eigentlich mal werden soll. Außerdem passt die Technik des offenen, nicht trackbaren RSS nicht zu Googles Zielen, ein Massenpublikum mit maßgeschneiderten Anzeigen „zu versorgen“.

Was bedeutet das für die Zukunft?

So genau weiß das sicherlich niemand. Zur Zeit kursieren zahlreiche Alternativen durchs Web, die sich nun anbieten. Auch an diesem Punkt muss ich wieder auf Marcels Beitrag verweisen, der toll zeigt, wieso die Einstellung des Readers gut für die Nutzer sein kann. Denn Google hat den Markt mit seinem Dienst in den letzten Jahren vollkommen blockiert, sodass andere, möglicherweise sogar innovative Unternehmungen keine Chance hatten. Das könnte sich nun ändern, ob das passiert wird sich zeigen. Da die Zielgruppe auf so ein Produkt in gewisser Form angewiesen ist, gibt es dort vermutlich sogar die Bereitschaft zu zahlen. Wenn das alles allerdings nicht passiert und am Ende irgendwann RSS ganz verschwindet, dann ist das wieder ein weiteres Beispiel dafür, dass sich nicht zwingend immer das Beste durchsetzt.

… und was hat der heutige Titel damit zu tun?

Zu guter Letzt bleibt mir noch den Titel des Artikels zu erklären. „Google liest das Seosweet Blog“ lautete dieser. Das klingt einerseits komisch, weil ich normalerweise nicht „das“ Blog sage und schreibe sondern „den“ Blog, im Idealfall merkt das aber niemand. Andererseits ist aber vor allem der Inhalt erklärungsbedürftig. Im Grunde war das nur eine Anspielung auf Jakobs Currents Artikel, der genau einen Tag vor der Bekanntmachung zum Reader erschien. Der Zusammenhang ist praktisch offensichtlich und nicht zu leugnen. In der Tat ist Currents wie Jakob gesagt hat ein guter Reader für unterwegs. Auch RSS Feeds lassen sich damit abonnieren, aber den Funktionsumfang des Readers findet man bei weitem nicht.

Und zu guter Allerletzt empfehle ich noch ein Video, das den Ärger von Bloggern und Journalisten, kurz Reader Usern, auf sehr witzige Art und Weise illustriert:

(Titelbild: © Fotowerk – Fotolia.com)

David Linden 178 posts

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