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(not provided)

Diejenigen Websitebetreiber, die Google Analytics oder ein anderes Analysetool benutzen, kennen den Ausdruck (not provided) zu genüge. Der erscheint immer häufiger dort, wo eigentlich das Keyword angezeigt wird, über das ein Google-Nutzer die Seite gefunden hat. Das macht die Analyse des Traffics und die Suchmaschinenoptimierung  natürlich nicht gerade einfacher. Ich werde hier mal versuchen, einen Überblick über das Thema und dessen Auswirkungen zu geben.

Was bedeutet (not provided)?

Von der Wortbedeutung ist das natürlich schnell erklärt: In dem Zusammenhang, in dem es in den Analysetools vorkommt, bedeutet es nämlich einfach nur, dass das Keyword nicht mitgeliefert wurde. Warum aber ist das so? Wieso werden manche Keywords überliefert und andere nicht?

Ganz allgemein kann man sagen, dass das Keyword dann nicht übermittelt wird, wenn die User die verschlüsselte Version von Google verwenden, also nicht die Suche über http://www.google.com, sondern die HTTPS-Version.  Diese wurde Ende 2011 von Google eingeführt, angeblich aus Gründen des Datenschutzes, wobei man das ja nicht unbedingt glauben muss. Bei der Übertragung von einer HTTPS-Seite auf eine http-Seite wird jedoch die Information – in dem Falle über das Keyword  nicht mit übermittelt, eben (not provided). In Wirklichkeit ist das Ganze natürlich noch ein Stück komplizierter und offenbar ist es auch so, dass Google bei einigen Suchergebnissen, die auf HTTPS-Seiten verweisen, das Keyword absichtlich nicht überträgt. Hierzu und generelle Informationen zur SSL-Suche und Google findet Ihr in einem Artikel von Dominik Wojcik, der das sehr anschaulich und kompakt erklärt.

Warum steigt der Anteil von (not provided)?

Die verschlüsselte Suche erfreute sich anfangs keiner besonders großen Beliebtheit. Zunächst wurden vor allem bei Google eingeloggte Besucher automatisch auf die sichere Suche umgeleitet und so bedeutete (not provided) vor allem eines: eingeloggter Google-Nutzer. Auf Seiten wie unserer hat sowas recht große Auswirkungen, da vermutlich viele unserer Besucher bei Google-Diensten angemeldet und eingeloggt sind, während sie sich durch das Internet bewegen. Von daher haben wir schon lange eine recht hohe (not provided)-Quote. Momentan liegt der Anteil von (not provided)-Besuchern der organischen Google-Suche irgendwo zwischen 65 und 70 Prozent. Im Verhältnis zum vergangenen Jahr bedeutet das auch bei uns eine Steigerung von mehr als zehn Prozent. Ich denke aber nicht, dass das auf eine Zunahme von Google-Nutzern zurückzuführen ist, sondern auf die stärkere Verbreitung der verschlüsselten Suche. Die größere Beliebtheit der HTTPS-Version von Google ist jedoch nicht auf größeres Wissen der User zurückzuführen, sondern dürfte größtenteils unbewusst sein. Die neuen Versionen beliebter Browser wie Firefox, Safari und nun auch Chrome leiten nämlich in den Suchfeldern mittlerweile automatisch auf die HTTPS-Suche von Google um. Das bedeutet für Websitebetreiber: Mehr (not provided) durch nicht bei Google eingeloggte Nutzer.

Kann man (not provided) in der Analyse umgehen?

Nein das kann man nicht, aber man sollte sich damit trotzdem nicht zufrieden geben. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die durch (not provided) verloren gegangenen Informationen, zumindest teilweise wiederherzustellen. Eine Option ist beispielsweise sich in Google Analytics die Zielseiten anzeigen zu lassen, die mit (not provided) gefunden wurden. Diese Möglichkeit ist hier beschrieben. Wenn man dann noch weitere Infos zu der Zielseite hat, also zum Beispiel die mitgelieferten Keywords, oder auch einfach nur die Information auf welches Keyword man optimiert hat oder die Daten aus einem Monitoring Tool, dann kann man zumindest abschätzen, über welches Keyword diese Seite gefunden wurde. Einen Schritt weiter geht Andreas Kisner von SEO Trainee. Er empfiehlt, sich mit Filtern die (not provided)-Zielseitenergebnisse anzeigen zu lassen – zusammen mit den Infos zu der SERP-Platzierung (denn die werden mit übertragen), auf der sie gefunden wurden. Gerade da können dann auch wieder Monitoringdaten weiterhelfen.

Generell spielt die Verknüpfung und Zusammenführung von Daten eine zentrale Rolle, wenn man seinen organischen Suchtraffic analysieren möchte. Eine gute Quelle für diese Analyse sind übrigens auch die Google Webmaster Tools, da die Keywords dort ausgegeben werden. Eric Kubitz hat erst heute in einem Beitrag erklärt, wie man die Webmaster Tools verwenden kann, um ein bisschen mehr über die Suchanfragen herauszufinden, mit denen man gefunden wird.

Was bedeutet (not provided) für uns?

Mit uns meine ich in diesem Fall uns SEOs und uns Webseitenbetreiber. Dass wir weniger Informationen zu den Suchanfragen haben nervt uns, aber wir müssen uns damit arrangieren. Die Aufgabe der Analyse ist komplizierter geworden, was den SEOs zusätzlich neue Arbeit bescheren dürfte. Aber wie gesagt, es gibt Mittel und Wege trotzdem ganz gut informiert sein. Verknüpfen müssen wir sowieso immer mehr, da sich ja auch SEO immer mehr zu einem Teil einer ganzheitlichen Online-Marketing-Strategie entwickelt.

Was haben mehr direkte Besucher damit zu tun?

Zum Schluss noch eine kurze Frage, die auf den ersten Blick nichts mit dem heutigen Thema zu tun hat, auf den zweiten aber doch. Manche Websites dürften in letzter Zeit eine steigende Zahl direkter Zugriffe bemerkt haben. Einer der Gründe dafür kann ebenfalls in der SSL-Suche liegen, denn neuere Mobilgeräte gehen auch immer häufiger über die SSL-Suche. Im Unterschied zur Desktop-Suche leitet Google hier nicht zwischendurch auf eine HTTP-Seite um, um doch noch einen Referrer anzuhängen, der zumindest die Quelle des Traffics verrät. Das passiert wohl aus Geschwindigkeitsgründen. Und solange das so ist, werden User, die über diese Mobilgeräte kommen, als direkte Besucher gewertet, obwohl sie eigentlich über Google zu der Seite gekommen sind.

(Titelbild: © Photo-K – Fotolia.com)

David Linden 178 posts

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6 Kommentare

  • GAnalyticsBlog (3 Jahren ago) Reply

    Hey David,

    danke noch einmal für die Zusammenfassung. Ich muss Dir absolut zustimmen, dass sich SEO immer mehr in das ganzheitliche Online Marketing integrieren muss. Zudem muss man meiner Meinung nach einen Perspektiven Wechsel vollziehen, mehr dazu kannst Du hier nachlesen: http://ganalyticsblog.de/analytics-tutorials/not-provided-perspektiven-wechsel-im-seo-controlling/

    SEO wandelt sich und somit muss sich das Controlling dahinter mit wandeln.

    Viele Grüße

    Mario

  • Steffen Zörnig (3 Jahren ago) Reply

    Hallo David,

    kurze Ergänzung: Die No Referrer Problematik betrifft, anders als im Search Enginge Land Artikel beschrieben, nicht nur ios6 Geräte, sondern auch einige Android Geräte. Die Lösung scheint das Umstellen der eigenen Seite auf HTTPs zu sein.
    Mehr dazu im Adobe Blog: http://blogs.adobe.com/digitalmarketing/analytics/dealing-with-google-secure-search-on-mobile/

    Viele Grüße
    Steffen

    • in reply to Steffen Zörnig #2
      David Linden (3 Jahren ago) Reply

      Hi Steffen,

      Danke für die Ergänzung. Allerdings schrieb ich ja deswegen "neuere Mobilgeräte";-) Denn in der Tat ist das bei neueren Androids auch der Fall...
      Stellt man seine Seite auf HTTPs um, dann ist der alte Zustand wiederhergestellt, der referrer wird übertragen, theoretisch sogar mit dem Suchterm. Aus Performancegründen hat Google nämlich hier den redirect abgeschaltet, der auf Desktops und Laptops die Keywords verschleiert. Irgendwann werden sie das auch auf mobilen Geräte so machen, denke ich jedenfalls. Leider zeigen die von dir verlinkten Tests von Adobe nicht, wie der Unterschied von eingeloggtem zu ausgeloggtem Zustand aussieht.

      Schöne Grüße
      David

  • [...] auch allgemein spielt Longtail-Traffic eine immer größere Rolle. Bedenken wir dazu noch, dass es immer schwieriger wird, das Keyword zu identifizieren, mit dem Besucher auf die Seite kommen, haben wir schon zahlreiche Gründe, wieso es schwierig ist, [...]

  • […] im Juni schrieb ich einen Artikel über (not provided) Keywords, also darüber, dass Google bei immer weniger Suchanfragen das Keyword an die Websites […]

  • […] Letztlich können zur Zeit sogar Suchzugriffe (auch über Google) als direkter Traffic gewertet werden. Das liegt an der SSL Verschlüsselung der Suchergebnisse, die Google aus “Datenschutzgründen” mittlerweile fast überall einsetzt. Weil das mit dem Datenschutz dann am Ende doch nicht relevant ist, leitet Google aber die Besucher nach einem Klick noch um, sodass ein referrer dran gehängt werden kann, damit der Website Betreiber sieht woher der Traffic kommt (Google). Außerdem können AdWords Kunden so auch weiter auf die Daten zugreifen. Diese Umleitung kommt in der mobilen Suche jedoch nicht zum Einsatz, sodass mobile Besucher, die über die SSL verschlüsselte Suche kommen, als direkter Traffic erscheinen, da der referrer entfernt bleibt. Näheres dazu findet ihr in meinem ausführlichen Beitrag zu (not provided). […]

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