blog-post-img-3920

Facebooks neue Suche: Graph Gedöns

Dies ist ein ernsthafter Blogartikel, auch wenn der Titel es nicht sofort vermuten lässt. Da wir uns mit unserem Blog aber im Social Web bewegen, ist – zumindest manchmal – gesprochene statt Schriftsprache angesagt. Und bei der Frage, wie ich einen Artikel, der von der Graph Search, bzw. dem Social Graph, bzw. der Suche im Social Graph und noch dazu ein bisschen vom Open Graph handelt, nennen soll, kam mir irgendwie „Graph Gedöns“ in den Sinn. Ich hoffe, das ist nachvollziehbar.

Facebook Graph Search: Was ist das?

Der Hauptgrund für den heutigen Artikel ist natürlich die Facebook Graph Search. Seit kurzem peitschen Meldungen davon durch die Online Medien, die vor dieser neuen – und absolut überfälligen – Suchfunktion von Facebook warnen. Man findet im Grunde auf jedem Portal der großen Medien Hinweise dazu, wie man sich und seine Privatssphäre schützen kann. Auch Facebook selbst weist seine Nutzer dezent darauf hin, so dezent, dass man es zwar bemerken kann, der wenig aufmerksame Normaluser es aber nicht sieht. In der Öffentlichkeit wird die Graph Search also vor allem als Bedrohung für die Privatssphäre dargestellt, was sie natürlich auch ist. Trotzdem ist das keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage: Was ist die Graph Search? 

Nachdem wir uns da mal „janz dumm jestellt“ haben, gehen wir die Sache von vorne an und stellen Fest: Die Graph Search besteht aus zwei Worten: Graph und Search. Das betrachten wir nun mal Einzelnen.

Facebooks Graph Gedöns: Social und Open Graph

Und da sind wir schon wieder beim Titel des Beitrags. Mit „Graph“ könnte Facebook nämlich zwei Dinge meinen, den Social Graph und den Open Graph.

Der Social Graph

Bereits vor fast einem Jahr hat Christina Liese auf reachblog.de eine schöne Erklärung für den Social Graph geliefert:

Das Herzstück von Facebook ist der Social Graph der im Grunde eine Begrifflichkeit für ein Soziogramm darstellt. Im Kontext mit dem Internet bilden Soziogramme die persönlichen Verbindungen zwischen Menschen ab, wie sie zueinander stehen und für was sie sich interessieren.

Im Social Graph von Facebook werden also die Verbindungen der einzelnen User zueinander erfasst. Freunde, Freunde von Freunden, Interessen, besuchte Orte, Fotos, Interaktionen untereinander, Likes etc.. So lassen sich die Beziehungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der User darstellen und gegebenenfalls nutzen. Es ist zum Beispiel davon auszugehen, dass der Social Graph eines der wesentlichen Bewertungskriterien in Facebooks sogenanntem EdgeRank Algorithmus darstellt, mit dem die Zusammensetzung des Newsstreams der User gesteuert wird.

Facebook Open Graph

Der Open Graph wiederum ist mehr oder weniger eine Erweiterung des Social Graph. Während letzterer nämlich auf alles beschränkt ist, was auf Facebook selbst passiert, liefert der Open Graph nun die Schnittstelle nach außen. Daher wohl auch Open Graph, da Facebook sich einfach nach außen hin öffnet. Das Resultat sind zahlreiche Schnittstellen für Inhalte in Apps und auf externen Seiten. Der berühmteste Bestandtteil sind sicherlich die Social Plugins, die es ermöglichen, eine Seite außerhalb von Facebook zu „liken“, also auf „gefällt mir“ zu drücken.

Der Open Graph, oder eher das Open Graph Protocol, stellt aber darüber hinaus auch ein standardisiertes Protokoll für Metaangaben dar, die speziell für soziale Netzwerke und insbesondere für Facebook gedacht sind. Denn auch dort können Rich Snippets mit wichtigen Informationen erstellt werden. Weitere Informationen zu diesen Metaangaben und wie sie genau aussehen, gibt es unter anderem hier. Wie das dann im Original aussieht kann man sehr schön im weiter oben (mit Zitat) verlinktem Artikel von Christina lesen.

Facebook Graph Search: Big Data aus Social Graph und Open Graph

Die Graph Search, die FB nun nach und nach ausrollt, ist wie gesagt eine Suche. Ihre Datenbasis sind aber nicht wie bei Google ein selbst erfundener gefundener Index, sondern vorhandene Informationen und Daten der eigenen User. Mit der Graph Search kann ein User im Grunde seinen persönlichen Social Graph, sein eigenes Soziogramm, durchsuchen. Er kann so also leichter herausfinden, was andere Menschen so tun, die mit ihm verbunden sind. Das Problem daran ist, dass jede Information, die ein User öffentlich teilt, auch mit der Graph Search gefunden werden kann, da öffentliche Inhalte im Grunde in jedem einzelnen „Soziogramm“ angezeigt werden können. Das weitere Beängstigende sind die Informationen, die Facebook einfach hat, und dass von diesen viele abgerufen werden können. Dazu gibt es aber keine Felder, die man ankreuzen kann, wie früher bei StudiVZ, sondern man gibt einfach einen Satz mit den Eingrenzungen in das Suchfeld ein. Insofern ist also die Graph Search auch ein Schritt in Richtung einer semantischen Suche.  Auch die Informationen aus dem Open Graph, also aus dem was User außerhalb von Facebook getan haben, fließen natürlich in die Suchergebnisse mit ein.

So berechnet Facebook also aus der riesigen Menge an Daten ein für jeden User einigermaßen individuelles Ergebnis auf seine Suchanfrage. Um die Ergebnisse zu sortieren scheint Facebook übrigens auf die TF-IDF Formel (für Term Frequency und Inverse Document Frequency) zurückzugreifen. Ich habe jetzt aber noch nicht sicher herausgefunden, um welche Version der Term Frequency es sich handelt, also ob es sich um eine Entsprechung der WDF-IDF-Formel handelt, oder nicht. Vom Prinzip her läuft es jedenfalls darauf hinaus, dass Facebook die für den jeweiligen User individuell relevantesten und passendsten Ergebnisse liefern will, und nicht die allgemein Beliebtesten.

Und um die letzten Graph-Verwirrungen zu beseitigen: Graph Search ist der originale amerikanische Name der neuen Facebook Suche. Der offizielle deutsche Name, also die Übersetzung von Facebook, lautet, warum auch immer: Suche im Social Graph. Das, was man oft in Zeitungen etc. von der Facebook Social-Graph Suche liest, ist eine Erfindung der Medien, die – wenn man’s genau nimmt – gar nicht so falsch ist. Trotzdem trägt so etwas natürlich alles zur allgemeinen Verwirrung bei.

Der Nutzen der Graph Search

Über die Gefahren der neuen Suche wurde schon viel geschrieben und ich möchte sie hiermit auch nicht kleinreden. Ganz im Gegenteil, ich finde es im Detail auch beängstigend, wie hier Missbrauch betrieben werde könnte. Aber nichtsdestrotz gibt es natürlich auch Nutzen, zum einen für die User, die endlich auch mal was auf Facebook (wieder)finden können, zum anderen aber auch für Unternehmen und deren Marketing. Da die Suche noch nicht so richtig fertig ist kann man zwar noch nicht so genau sagen, wie stark und wo genau sie sich auswirkt, aber ein Feld ist bereits definitiv identifiziert, und das ist die lokale Suche, die auch für KMU interessant ist. Hier eröffnen sich mit der Graph Search viele Möglichkeiten. Darüber könnte man sogar einen eigenen Artikel schreiben, was Sebastian Socha aber bereits in gewohnt guter und vollständiger Manier getan hat. Wenn man sich für dieses Thema interessiert kann ich seinen Artikel daher nur wärmstens empfehlen, zumal er auch ein kleines Tutorial für Filialketten angehängt hat.

Insgesamt dürfte sich SEO daher tatsächlich ein bisschen mehr in Richtung Facebook bewegen, und die Social Media Optimierung von Webseiten steigt noch einmal in ihrem Wert.

(Titelbild: © Pixelwolf – Fotolia.com)

David Linden 178 posts

Autor

Man findet mich auf Google+

1 Kommentar

Leave a Reply

Rules of the Blog
Do not post violating content, tags like bold, italic and underline are allowed that means HTML can be used while commenting. Lorem ipsum dolor sit amet conceur half the time you know i know what.

Loading Facebook Comments ...

No Trackbacks.