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Vom Papagei zum Kolibri: Google erneuert den Suchalgorithmus

Kommt ein Vogel geflogen … und keiner merkt es. Wenn ich richtig informiert bin, passiert das am ehesten bei Eulen, weil sie praktisch geräuschlos und im Dunkeln fliegen. Aber eine Eule war es dieses mal nicht, sondern ein Kolibri. Kolibris waren mir bisher als „die kleinsten Vögel der Welt“ bekannt, die wie ein Insekt mit den Flügeln schlagen und in der Luft stehen können. Seit letztem Freitag gibt es jedoch eine neue Assoziation mit dem Mini-Tropenvogel: Google. Denn zu seinem 15. Geburtstag hat Google der Welt ein neues Update verkündet und ihm wieder einen Tiernamen gegeben, eben den des Kolibris. Warum? Weil er so klein ist? Das wäre unpassend, denn angeblich betrifft die Änderung 90 Prozent aller Suchanfragen. Das ist alles andere als klein. Wie ich im Artikel von Jörn Tresko gelesen habe, bezieht man sich bei Google eher auf die Geschwindigkeit und Präzision des Kolibris. Berühmt sind die Bilder von Highspeed-Aufnahmen mit Kolibri-Flügelschlägen. Die sind so präzise, dass der Vogel damit in der Luft stehen und Nektar aus Blüten trinken kann, die in die unmöglichsten Richtungen stehen. Was aber hat es nun mit dem Update auf sich?

Der Hummingbird: Googles Weg zur semantischen Suche

Das Hummingbird Update, wie es im Englischen heißt, soll Googles Weg zur semantischen Suche ermöglichen. Insofern ist es eine konsequente Weiterentwicklung der Individualisierung/Personalisierung der Suchergebnisse und des Knowledge Graphs. Denn Google möchte die Intention des Benutzers verstehen – dazu muss man ihn aber erstens besser kennen, und zweitens verstehen was mit einer Frage eigentlich gemeint ist. Das soll mit dem Kolibri irgendwann einmal funktionieren, sodass Google Suchanfragen, die auch wirklich als Frage formuliert sind, versteht und „individuell“ beantwortet. Dabei setzt man offensichtlich auch auf die Voice Search, was die schon länger betriebene, stärkere Ausrichtung auf die mobile Suche fortsetzt. Ein Beispiel, das schon ganz gut funktioniert, ist der Vergleich von ähnlichen Dingen im Knowledge Graph. Genannt wird zum Beispiel Jupiter vs. Saturn, man kann aber auch Äpfel mit Birnen vergleichen. Ich habe mal etwas anderes ausprobiert:

Hummingbird vs. Parrot in der Google Suche

Hummingbird vs. Parrot in der Google Suche

Warum hab ich diesen Vergleich gewählt? Google möchte Fragen und Suchanfragen verstehen, bewerten, und möglichst individuell passende Antworten ausliefern. Plakativ betrachtet ähnelte die Suche vorher eher dem Antwortverhalten eines Papageis, der einfach das Gesagte nachplappert. Internetseiten wurden also nach der gesuchten Phrase durchstöbert und genau diese daher auch wieder ausgegeben. Jetzt kann ein Kolibri zwar nicht sprechen, aber ich denke es dürfte klar sein, was ich meine.

Wie wirkt sich das Hummingbird Update aus?

Bisher können wir sagen: so gut wie gar nicht. Angeblich läuft der neue Algorithmus schon seit einem Monat, ohne dass Google etwas gesagt hat. Allerdings auch, ohne dass jemand wirklich etwas gemerkt hat. Die bisherigen Auswirkungen kann man daher ziemlich sicher als gering bis minimal beschreiben. Zumal die Funktionen (wie auch der hier genannte Vergleich) nur in der englischen Suche verfügbar sind, hält sich das für Deutschland also nochmal mehr in Grenzen. Das klingt zunächst erstaunlich, weil wie gesagt 90% der Suchanfragen betroffen sein sollen, jedoch wird das dadurch relativiert, dass sich die Rankingfaktoren erst einmal nicht geändert haben. Das Update betrifft vielmehr die Art und Weise wie diese verarbeitet und vor allem ausgeliefert werden. Die SEO-Arbeit dürfte sich daher zumindest kurzfristig nicht verändern.

Inhaltliche Details sind ohnehin Mangelware und die wenigen Bekannten findet man natürlich in den FAQ zum Hummingbird Update von Danny Sullivan, aber auch sehr lesenswert in Eric Kubitz Artikel im SEO-Book.

Was sagt der Kolibri über die Zukunft aus?

Ich glaube, dass Google mit dem Hummingbird Update die Basis für weitere Entwicklungen in der Zukunft gelegt hat. Das meiste von dem, was angepriesen wurde, kannte man so oder so ähnlich schon. Mobile kennen wir, Voice auch, Knowledge Graph ebenso und selbst von der Kontextbasierten Suche hatten wir bereits eine Vorstellung. Wahrscheinlich ist jedoch die Maschinerie an ihre Grenzen gestoßen, sodass eine Neue her musste. Dass jetzt die Suchergebnisse durcheinander geworfen werden ist insofern unwahrscheinlich, als dass sie ja doch recht gute Ergebnisse liefern. Damit der Kolibri mal wirksam werden kann, muss sich aber vor allem eines ändern: Das Suchverhalten der Nutzer. Wie wichtig wird die Voice Search? Das ist meiner Meinung nach die entscheidende Frage. Ich persönlich spreche ungern mit Geräten/Dingen und habe auch erst einmal im Zug vor einem ca. 15 Jährigen Menschen gesessen, der dreimal vergeblich EA GAMES in sein Handy geschrien gesagt hat. Dieser Moment war eher peinlich bis lustig als erhaben ob des glanzvollen in Erscheinungtretens einer neuen Technologie. Ein Mentalitätswandel findet, wenn überhaupt, nicht über Nacht statt. Ich bin mal gespannt, wie Google seine neuen Features kommunizieren wird.

Insgesamt wussten wir bereits, dass die Zukunft der Suche semantisch sein wird und mobil – vielleicht. Dafür hat Google nun die Weichen gestellt.

(Titelbild: © sararoom – Fotolia.com)

David Linden 178 posts

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9 Kommentare

  • […] haben wir zum Zwecke der Erhöhung der CTR in den SERPs schon viel gehört. Aber jetzt mit dem Hummingbird wird das auch verstärkt zu einer richtigen SEO Sache. Denn wenn Google semantische Informationen […]

  • Peter (4 Jahren ago) Reply

    Je einfacher und je abstrakter die Sucheingabe für den "normalen" Nutzer ist, desto mehr Nutzer werden es letzendlich. ;-)

  • […] Für die erklärende Beschreibung von Inhalten, die nicht aus Text bestehen, aber trotzdem indexiert werden sollen, gibt es andere Möglichkeiten als Cloaking. Dazu gehört beispielsweise das Alt-Attribut zur Auszeichnung von Bildern, oder das <noscript>Tag für Java-Script Inhalte. Solche Auszeichnungen sind darüber hinaus auch gut für die Barrierefreiheit einer Website und für das semantische Web unabdingbar. […]

  • […] Suche noch im Google Universum? Wie relevant ist es noch objektiv gute Informationen zu finden? Das Hummingbird Update und der Schritt in Richtung semantisches Web zeigen, dass man nach wie vor an einer Verbesserung […]

  • […] Erst recht nicht, wenn man an den semantischen Weg denkt, den Google spätestens mit dem Hummingbird eingeschlagen […]

  • MaMaLeIn69 (3 Jahren ago) Reply

    Ist auch der Kolibri daran schuld, dass neue Youtube Videos erst Stunden bis Tage nach dem Upload bei Google überhaupt gefunden werden können? Die Erfahrung habe ich jedenfalls seit November gemacht.

    • in reply to MaMaLeIn69 #2
      David Linden (3 Jahren ago) Reply

      Ich weiß über die Indizierungszeiten von Youtube Videos nicht gut bescheid, aber "Stunden" würde ich eigentlich noch für normal halten. Das sollte aber theoretisch mit der Integration der sozialen Suche (Search, plus your world) schneller gehen. Generell ist mir nicht bekannt, dass mit dem Kolibri die Indexierungsgeschwindigkeit verändert wurde. Da würde ich eher andere Probleme vermuten.

  • […] heißt es die Zukunft des Webs ist semantisch, Suchanfragen sollen verstanden und am besten sollte die Suchmaschine die Antwort gleich […]

  • […] Hummingbird und der Knowledge Graph sind an sich nicht mehr gerade neu. Trotzdem scheint sich das Thema […]

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