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Google kauft Nest: Topthema und Angstmacher

Suchmaschinenoptimierung sollte sich eigentlich mit Suchmaschinen beschäftigen. Das Maß aller Dinge in diesem Bereich ist jedoch Google, mit über 90 Prozent Marktanteil in Deutschland. Das bedeutet, wenn man sich in Deutschland (und fast überall sonst auch) mit SEO befasst, ist man praktisch dazu gezwungen, sich mit dem Unternehmen Google zu beschäftigen. Und zwar nicht nur mit der Google Suche an sich, sondern mit den ganzen anderen Dingen, die Google auch so macht. Denn das kann uns manchmal den Weg zeigen, den Google einschlägt, auch wenn die gerne mal ZickZack laufen. Google+ beispielsweise wurde sehr schnell von SEOs bevölkert, in der Hoffnung auf Social Signals, bei maps ging es dann irgendwann um lokale Ergebnisse (Google Places / Google+ local), und von YouTube rede ich erst gar nicht.

Diese Woche ist Google wieder stark in die Schlagzeilen geraten. Warum? Weil sie mit Nest Labs einen Hersteller von intellegenter Haustechnik, genauer Thermostaten und Rauchmeldern, gekauft haben. Wenn man sich die Berichte dazu ansieht, scheint Google spätestens jetzt zum Reich des Bösen zu gehören.

Google ist jetzt böse?

Ich bin wirklich niemand, der Google als Unternehmen sonderlich sympathisch findet. Ich finde es nicht gut, wie intransparent dort teilweise Daten gesammelt werden, vor allem auf Android Telefonen. Und seit Jahren werden die Emails des Gmail Nutzer mitgelesen, wenn auch automatisch. Das wurde allerdings kaum thematisiert. Erst seit dem NSA-Skandal ist es auch in der Öffentlichkeit ein breiteres Thema, dass Google die Privatssphäre der User gerne mal umgeht. Ganz so, als ob das eine etwas mit dem anderen zu tun hätte. Letztlich ist Google nicht böser als noch vor einem Jahr.

Will Google in „unsere Wohnzimmer“ gucken?

Die Idee hinter dieser Angst, die in dem ein oder anderen Artikel geschürt wurde, ist absurd bis lustig. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Nest Labs mit dem Gedanken gekauft wurde, dass man dann noch viel mehr Daten sammeln und die Menschen ausspionieren kann. Dies in den Vordergrund zu stellen würde dem nach wie vor dynamischen und innovativen Charakter Googles widersprechen. Vielmehr geht es, denke ich, darum, Zukunftstechnologien zu beherrschen, um gewappnet zu sein. Der Trend geht hin zu einer voll vernetzten Welt und an dieser möchte Google teilhaben. Wenn man die eigenen User umfassend versorgen kann, ist die Wahrscheinlichkeit, dass User andere Dienste nutzen, geringer. Das gilt dann nicht nur für Haustechnik, sondern auch zum Beispiel für Autos. Und wenn man sich mal ansieht, was Google in den letzten Jahren so alles gekauft hat, dann wird deutlich, dass man hier in viele Richtungen schielt. Und wenn es nur darum geht, nichts zu verpassen. Googles Ziel ist es schon lange, die User auf den eigenen Plattformen zu halten. Das verfolgen sie offenbar auch in Zukunft.

Der Vorteil von vernetzter Technik, egal in welchem Bereich, ist die Zusammenführung von Informationen – auch Verhaltensinformationen -, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Das kann Google sehr gut. Es ist daher anzunehmen, dass sich aus den Daten der Haustechnik auch neue Dienstleistungen kreieren lassen. Ich denke, dass sich unter dieser Voraussetzung Portale zum Strompreisvergleich warm anziehen könnten. Ob und wann Google diese Informationen auch Nutzen wird, um, auf welchem Kanal auch immer, Werbung auszuliefern, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. An Nest sind aber sicher nicht nur die Informationen interessant, sondern auch die Technologie dahinter. Diese kann man auch für andere Geräte nutzen. Einen tollen Einblick in das, was Google aus dem Nest Kauf machen könnte, hat Marco Janck in seinem Artikel geliefert. Die Gründe für den Kauf von Nest dürften vielschichtiger sein, als lediglich mehr über die Nutzer zu erfahren.

Wozu führt die aktuelle Diskussion um Google und Nest?

Ich denke, dass es genügend Dinge gibt, wegen denen man Google Vorwürfe machen kann, und dass man sich in einigen Punkten Gedanken um deren Marktmacht machen muss. Die Diskussion, dass Google uns jetzt auch in die Wohnzimmer oder gar Schlafzimmer gucken will, ist alles andere als konstruktiv. Wenn ich das richtig verfolgt habe, ist die Angst vor allem in Deutschland verbreitet. In anderen Ländern ist es durchaus üblich in die Wohnzimmer von Leuten zu gucken. Wer mal in Holland war wird wissen, was ich meine. In den USA werden scheinbar eher die Vorteile gesehen, zumal ein Unternehmen wie Google in der Lage ist, der Idee des vernetzten Hauses nach vielen Jahren des Vor-sich-hin-Dümpelns zum Durchbruch zu verhelfen. Vielleicht zu niedrigen monetären Preisen, stattdessen im Austausch für Daten und Informationen. Das hat bisher auch immer ganz gut funktioniert, denn auf diese Kostenart schauen die Menschen erfahrungsgemäß nicht besonders.

 (Titelbild: © alphaspirit – Fotolia.com)

David Linden 178 posts

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2 Kommentare

  • Max (3 Jahren ago) Reply

    Ich befürchte Google möchte an dieser vernetzten Welt nicht teilhhaben, sondern sie ganz gerne bestimmen. Die Zukäufe der letzten Zeit sind wohl ganz klar darauf ausgerichtet, alles und jeden immer weiter zu durchleuchten und so ein wenig unwohl darf einem da schon sein.
    Heise hat zB grade ein paar SmartTV Geräte darauf getestet, welche Daten sie - ungefragt - so nach Hause senden, an die Sendeanstalten, an den Hersteller und wer weiß wo noch hin. Es ist grundsätzlich natürlich toll, wenn man irgendwann nicht mehr selbst denken muss und einem alles automatisch zugeliefert wird, aber dann können wir uns irgendwann auch wie die Kühe auf die Weide stellen. :-)
    Gruß, Max

  • Ich (3 Jahren ago) Reply

    Nun Google experimentiert gern,, sieht man hier auch wieder. Das Ausspienoieren von Haushaltsdaten kann man einfacher und kostengünstiger machen, da braucht man keine Rauchmelder für.....
    Mal sehen wo daa die Reise hingeht- vielleicht ein automatisches Leitsystem für Feuerwehren über Rauchmelder gesteuert, vielleicht messen die gleich den CO2 Gehalt im Gebäude....da gibts viele Möglichkeiten, nicht alle sollten schlecht sein.

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